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Asperger-Syndrom: Merkmale, Diagnostik und das Leben mit Neurodiversität

Das Asperger-Syndrom gilt als eine Form der Autismus-Spektrum-Störung (ASS), die sich primär durch Besonderheiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation auszeichnet. Im Gegensatz zu anderen Formen des Autismus bleibt die sprachliche und kognitive Entwicklung bei Asperger-Autisten meist unbeeinträchtigt. Oft zeigt sich eine hohe Intelligenz gepaart mit tiefgreifenden Spezialinteressen.

Neurobiologie statt Erziehungsfehler

Wissenschaftlich ist belegt, dass das Asperger-Syndrom auf einer veränderten neuronalen Vernetzung im Gehirn basiert. Besonders die Areale, die für die Verarbeitung sozialer Signale zuständig sind (wie die Amygdala), arbeiten anders. Es handelt sich um eine lebenslange Disposition, nicht um eine psychische Krankheit.

Typische Charakteristika: Woran erkennt man Asperger?

Die Symptomatik ist bei Erwachsenen oft subtiler als bei Kindern, da viele Betroffene im Laufe ihres Lebens komplexe Kompensationsmechanismen erlernt haben. Dennoch bleiben Kernmerkmale bestehen:

  • Soziale Intuition: Schwierigkeiten, zwischen den Zeilen zu lesen oder nonverbale Signale (Mimik, Tonfall) korrekt zu interpretieren.
  • Spezialinteressen: Eine intensive, fast enzyklopädische Beschäftigung mit bestimmten Themenbereichen.
  • Sensorische Sensitivität: Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen, Gerüchen oder Berührungen.
  • Strukturbevorzugung: Ein hohes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Routinen; spontane Änderungen lösen oft Stress aus.

Klinisch-psychologische Austestung: Der Weg zur Klarheit

Die Diagnostik des Asperger-Syndroms bei Erwachsenen erfordert viel Erfahrung, da das sogenannte "Social Masking" (das bewusste Nachahmen neurotypischen Verhaltens) die Symptome verdecken kann. Eine fundierte klinische Austestung sollte folgende Säulen beinhalten:

  • Biografische Exploration: Da Asperger eine Entwicklungsstörung ist, müssen Anzeichen bereits in der Kindheit (z.B. Kindergartenzeit) bestanden haben.
  • Persönlichkeitsstruktur: Abgrenzung von Differentialdiagnosen wie der schizoiden Persönlichkeitsstörung oder sozialen Ängsten.
  • Kognitives Profil: Messung des verbalen und nonverbalen IQs (häufig zeigt sich ein inhomogenes Profil).
  • Theory of Mind Tests: Prüfung der Fähigkeit, sich in die mentalen Zustände anderer hineinversetzen zu können.
  • Exekutive Funktionen: Testung der kognitiven Flexibilität und der Fähigkeit zur Handlungsplanung.

„Eine Diagnose ist kein Etikett, das einschränkt, sondern eine Gebrauchsanweisung für das eigene Gehirn, die neue Handlungsspielräume eröffnet.“

Herausforderungen im Alltag: Reizüberflutung und Burnout

Viele Asperger-Autisten leiden unter einer permanenten Reizüberflutung. Da die Reizfilterung im Gehirn weniger effektiv arbeitet, werden Hintergrundgeräusche oder Neonlicht oft als körperlicher Schmerz wahrgenommen. Die ständige Anstrengung, sozial "funktional" zu wirken, führt nicht selten in ein autistisches Burnout oder zu Depressionen. Hier setzt die klinische Psychologie an, um Strategien zum Energiemanagement und zur Reizreduktion zu entwickeln.


Häufig gestellte Fragen zu Asperger

Wird das Asperger-Syndrom noch diagnostiziert?

Nach der neuen ICD-11 Klassifikation wird offiziell die Diagnose "Autismus-Spektrum-Störung" (ohne Intelligenzminderung und ohne Beeinträchtigung der funktionellen Sprache) vergeben. Der Begriff "Asperger" bleibt jedoch im klinischen Sprachgebrauch und zur Selbstidentifikation der Betroffenen sehr wichtig.

Sind alle Asperger-Autisten hochbegabt?

Nein, das ist ein Klischee (Savant-Syndrom). Die Intelligenz bei Asperger liegt meist im Normalbereich oder darüber. Was jedoch häufig vorkommt, sind außergewöhnliche Fähigkeiten in spezifischen Teilbereichen.

Wie unterscheidet sich Asperger bei Frauen?

Frauen mit Asperger zeigen oft ein noch ausgeprägteres Masking. Ihre Spezialinteressen sind häufig sozialer oder psychologischer Natur (z.B. Tiere, Literatur), weshalb sie oft übersehen werden oder Fehldiagnosen wie Borderline erhalten.

Hilft eine Therapie bei Asperger?

Therapie dient nicht der "Heilung", sondern der Unterstützung. Schwerpunkte sind oft soziale Kompetenztrainings, Stressbewältigung, die Behandlung von Begleiterkrankungen und die Akzeptanz der eigenen Neurodivergenz.

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